UNIVERSITAS

BERUFS- und EHRENORDNUNG

(Von der Vollversammlung am 8. Marz 1996 angenommen.)

 

 

Praambel

 

In der Erkenntnis,

 

- dass Übersetzer und Dolmetscher bei der ErfOllung Ihrer Aufgabe, zwischen Menschen, Gruppen und Volkern als Sprachmittler zu wirken, im allgemeinen auf sich gestellt und alleinverantwortlich tatig sind,

 

- dass Übersetzer und Dolmetscher nicht nur Ober einwandfreie Sprachkenntnisse verfugen, sondern auch mit den soziokulturellen Eigenarten der Volker und Staaten vertraut sind, ein berufsspezifisches Wissen und eine gut fundierte Allgemeinbildung besitzen und stets bemuht sind, mit den neuesten Gegebenheiten Schritt zu halten,

 

- dass die Funktion des Obersetzers und Dolmetschers zuverlassig nur von erfahrenen Fachleuten ausgeubt werden kann,

 

und im Bestreben,

 

als Mitglied des Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverbandes „Universitas“ hohen beruflichen Anforderungen zu genugen und durch Qualifikation und Leistung das Ansehen des Berufsstandes zu festigen und zu heben,

 

haben die im Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverband „Universitas“ zusammengeschlossenen Übersetzer und Dolmetscher folgende Berufs- und Ehrenordnung verabschiedet, die integrierender Bestandteil der Statuten des Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverbandes "Universitas" ist und die Pflichten der Mitglieder des Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverbandes "Universitas" festlegt.

 

Artikel 1

 

Übersetzer und Dolmetscher haben ihren Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, unvoreingenommen und unparteiisch auszuuben.

 

Artikel 2

 

Übersetzer und Dolmetscher durfen sich nur in solchen Sprachen und auf solchen Fachgebieten betatigen, in denen sie Ober einwandfreie Kenntnisse verfugen, um die Obertragenen Aufgaben gewissenhaft ausfuhren zu konnen. Sie sind verpflichtet, etwa bestehende WissenslOcken und textliche Unklarheiten durch zweckdienliche Recherchen zu beseitigen. Übersetzer durfen nur Arbeiten liefern, die von ihnen personlich angefertigt oder zumindest personlich sorgfaltig kontrolliert und gegebenfalls redigiert worden sind. Wenn ein Übersetzer oder Dolmetscher sich fur einen Auftrag als unzureichend befahigt betrachtet, hat er dies dem Auftraggeber unverzuglich mitzuteilen.

 

Der Übersetzer und Dolmetscher verpflichtet sich, bei der Weitergabe von Auftragen an andere Kollegen von diesen nicht einen Teil des Honorars einzubehalten.

 

Artikel 3

 

a) Vorbehaltlich anderslautender gesetzlicher und dienstrechtlicher Bestimmungen steht es Obersetzern und Dolmetschern frei, einen Auftrag anzunehmen oder abzulehnen.

 

b) Übersetzer und Dolmetscher halten sich an vereinbarte Termine. Falls ihnen dies unmoglich sein sollte, haben sie den Beteiligten rechtzeitig zu unterrichten. Wenn ein Auftrag aus zwingenden Grunden nicht zu Ende gefuhrt werden kann, ist augerdem ein Kollege namhaft zu machen, der in der Lage ist, den Auftrag zu Obernehmen.

 

c) Übersetzer und Dolmetscher versagen sich die Annahme eines Auftrages, den sie nicht sachgem5a, vertragsgem5g und nach bestem Wissen und Gewissen ausfuhren konnen. Sie Obernehmen einen Auftrag nur unter der Voraussetzung, dass die zu leistende Arbeit und die Arbeitsbedingungen zwischen ihm und dem Klienten vertraglich genau festgelegt werden.

 

d) Übersetzer und Dolmetscher konnen zur personlichen Ausubung des Obersetzer- und Dolmetscherberufes als freier Beruf mit anderen Obersetzern und Dolmetschern eine Erwerbsgemeinschaft grunden. Berufsfremde, sowie Firmen nach dem Handelsrecht, durfen nicht als Gesellschafter einer solchen Erwerbsgesellschaft angehoren.

 

Die Grander der Erwerbsgesellschaft ist dem Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverband „Universitas“ unter Vorlage des Gesellschaftsvertrages bekanntzugeben. Der Verband fuhrt Ober die eingetragenen Erwerbsgesellschaften ein Verzeichnis.

 

Übersetzer und Dolmetscher bleiben auch als Gesellschafter einer Erwerbsgesellschaft fur die Einhaltung der Berufs- und Ehrenordnung, sowie aller anderen Berufs- und Standespflichten personlich verantwortlich. Sie konnen auch nur personlich in die Obersetzer- und Dolmetscherliste aufgenommen werden.

 

Artikel 4

 

Übersetzer und Dolmetscher erfOllen ihre Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen, doch konnen weder die Annahme eines Auftrages noch eine etwaige Weisung des Auftraggebers eine Verletzung von Gesetz, Anstand und Standesregeln rechtfertigen.

 

Artikel 5

 

Die Mitglieder des Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverband „Universitas“ fuhlen sich der Qualitat Ihrer Arbeit verpflichtet. Falls ein Auftraggeber eine berechtigte Kritik anzubringen hat, sind sie bereit, eine entsprechende Korrektur vorzunehmen.

 

Artikel 6

 

a) Übersetzer und Dolmetscher sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

 

b) Die berufsethische Verpflichtung zur Verschwiegenheit erstreckt sich auf alles, was Obersetzern und Dolmetschern im Rahmen ihrer Tatigkeit zur Kenntnis gelangt, sowie nicht Gesetz oder Grundsatze der Rechtsprechung Ausnahmen erzwingen.

 

c) Diese Verpflichtung besteht auch Ober die Beendigung des Auftragsverhaltnisses hinaus und auch gegenuber Personen, denen die betreffende Tatsache bereits von anderer Seite mitgeteilt worden ist.

 

Artikel 7

 

Die Berufsethik verpflichtet zur Kollegialitat und Solidaritat. Sie verbietet Obersetzern und Dolmetschern, das Ansehen des Berufsstandes durch Ihr Verhalten zu beeintrachtigen. Unsachliche Angriffe gegen die Person eines Kollegen in Wort oder Schrift oder sonstige unbelegte Augerungen, die den Ruf eines Kollegen zu schadigen geeignet sind, verstogen gegen die berufliche Ethik.

 

Übersetzer und Dolmetscher wahren in der Berurteilung der Leistung eines Berufskollegen taktvolle Zuruckhaltung. Abweichende personliche Ansichten konnen zum Ausdruck gebracht werden. Auch die Kritik an einer fehlerhaften Arbeit ist einerseits ohne Scharfe vorzubringen und anderseits auch gelassen aufzunehmen. Vor der Abgabe eines Gutachtens ist der Betroffene zu benachrichtigen, und zwar durch die Mitteilung des Gutachters selbst.

 

Artikel 8

 

Die Mitglieder des Osterreichischen Obersetzer- und Dolmetscherverbandes „Universitas“ legen berufliche Streitigkeiten untereinander tunlichst dem Schiedsgericht zur Schlichtung vor. Gegen Entscheidungen des Schiedsgerichtes ist die Berufung an die Vollversammlung moglich.

 

Artikel 9

 

Bei Konflikten, die dem Schiedsgericht oder der Vollversammlung des Osterreichischen Obersetzer-und Dolmetscherverbandes „Universitas“ vorgelegt werden, sind die Mitglieder gehalten, personlich Auskunft zu geben und die verlangten Unterlagen vorzulegen. Ihre Auskunfte werden vertraulich behandelt.

 

Artikel 10

 

Die Mitglieder des Osterreichischen Obersetzer-und Dolmetscherverbandes „Universitas“ stellen fur ihre berufliche Leistungen angemessene Honorare in Rechnung.

 

Artikel 11

 

a) Übersetzer und Dolmetscher werben durch die Qualitat ihrer beruflichen Leistung.

 

b) Übersetzer und Dolmetscher enthalten sich jedes unlauteren Wettbewerbs und jeder aufdringlichen Werbung. Unzulassig sind insbesondere

 

- planmässiges, zielgerichtetes Unterschreiten marktublicher Preise in der Absicht, Mitbewerber zu verdrangen oder zu schadigen;

 

- die Irrefuhrung von Kunden durch Abgabe unvollstandiger oder unkorrekter Angebote;

 

- die Kritik an Kollegen gegenuber Dritten, um die eigenen Leistungen hervorzuheben;

 

- reklamehaftes Herausstellen der eigenen Person oder Leistung;

 

- sowie jede andere standeswidrige (d.h. strafbare, unwahre, irrefuhrende, unsachliche, marktschreierische, herabsetzende oder sonst gegen die guten Sitten verstogende) Werbung fur den Übersetzer oder Dolmetscher durch ihn selbst oder durch Dritte.

 

Artikel 12

 

Übersetzer und Dolmetscher durfen nur solche Berufsbezeichnungen und Titel fuhren, die sie nach den Bestimmungen der Gesetze erworben haben.

 

Artikel 13

 

Ober die Wahrung der vorstehenden Grundsatze wacht der Vorstand, der von Mitgliedern und Nichtmitgliedern angerufen werden kann. Der Vorstand hat das Recht und in schwerwiegenden Fallen die Pflicht, Mitglieder, die gegen diese Grundsatze verstogen, mit entsprechenden Sanktionen zu belegen.